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Realschule Neue Friedrichstraße |
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Realschule Neue Friedrichstraße Wuppertal-Elberfeld
Um etwas über die
Geschichte unserer Schule in Erfahrung zu bringen, muss man auf die
Entwicklung des Knaben-Mittelschulwesens in unserer Stadt Bezug nehmen:
Die gesetzliche Grundlage erhielten in vielen Städten die „über das Ziel der Volksschule hinausgehenden Unterrichtsanstalten“ durch die allgemeinen Bestimmungen vom 15. Oktober 1872.
Aufgrund dieser "Allgemeinen Bestimmungen" wurde zwei Jahre später die erste Oberklasse (Mittelschul-Klasse) für Jungen an der Volksschule Distelbecker Straße (Friedrich-Wilhelm-Schule) eingerichtet. Nach einem Besuch des Nordstädtischen Bürgervereins erteilten die Schuldeputation und der Rat der Stadt Elberfeld im Juli 1885 die Genehmigung, auch im Norden der Stadt Oberklassen zu errichten.

Heutige Grundschule Markommannenstraße
Am 1. Mai 1886 wurde die erste Oberklasse mit 53 Schülern an der Volksschule Carnapstraße (heute: Grundschule Markomannenstraße) eröffnet. Sie bildete den Grundstein für die spätere Knabenmittelschule-Nord in Wuppertal-Elberfeld an der Neuen Friedrichstraße. Mit der Errichtung der 2. Oberklasse im Jahre 1887 verlangte die Königliche Regierung in Düsseldorf die Ausarbeitung eines Lehrplans, der im Dezember desselben Jahres genehmigt wurde. Als 1888 eine 3. Oberklasse an der Carnapstraße aufgenommen werden konnte, beschloss das Kuratorium, diese Oberklassen in Mittelschulklassen umzubenennen und das Aufnahmealter von 12 auf 11 Jahre herabzusetzen.
Im Jahre 1891 bestanden bereits 3 Mitschulklassenjahrgänge, und zwar eine 1. Klasse und je zwei 2. und 3. Klassen.
1892 wurde der Mittelschule vom Fabrikanten Carl Erbschloe 100 Mark geschenkt, die den Grundstock für eine Fahne bildete, die heute noch im Besitz unserer Schule ist. Sie wurde damals aus verschiedenen Anlässen von den Schülern in Festzügen mitgeführt, wie z.B. 1893 zur Denkmalenthüllung für Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III.
Die Knabenmittelschule an der Carnapstraße wuchs ständig, so dass infolge der Neuregelung des Knabenmittelschulwesens von 1908 die Schule fünfstufig wurde und drei Klassen 5 (Abschlussklassen) eingerichtet wurden. Nach dieser von Stadtschulrat Dr. Schirlitz durchgeführten Reform der Mittelschulen in Elberfeld und nach den 1910 erschienenen ministeriellen "Bestimmungen über die Neuordnung des Mittelschulwesens in Preußen" wurden von der Klasse 3 an Parallelklassen eingerichtet, die einmal mit Englisch und Französisch auf die kaufmännische Laufbahn vorbereiteten und zum anderen bei stärkerer Berücksichtigung der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fächer und mit nur einer Fremdsprache auf die Ausbildung späterer Techniker und Gewerbetreibender hinzielten. Da die Räumlichkeiten an der Schule nicht mehr ausreichten, beschloss der Stadtrat im selben Jahr die Errichtung eines Neubaus im Norden Elberfelds auf dem Jägerschen Grundstück. Nach einem späteren Beschluss der Stadtverordneten sollte jedoch zunächst mit dem Neubau einer Knabenmittelschule im Süden der Stadt begonnen werden, während der Neubau im Norden hinausgeschoben werden sollte. Bürgervereine und Eltern der Nordstadt Elberfeld erreichten aber durch Bittgesuche an den Oberbürgermeister, dass die Schuldeputation und der Rat der Stadt im Dezember 1909 beschlossen, den Schulneubau im Norden 1910 zu beginnen.
Bereits im September 1910 "zogen die Mittelschüler mit klingendem Spiel und wehenden Fahnen zur Neuen Friedrichstraße" (Festschrift zum 25jährigen Bestehen der Knabenmittelschule an der Carnapstraße), um mit 8 Klassen in das jetzige Nebengebäude der Schule einzuziehen, während 2 Klassen zunächst noch in der Carnapstraße blieben. Nach den Sommerferien 1911 bezogen insgesamt 12 Klassen das fertiggestellte Hauptgebäude; das Nebengebäude dagegen gehörte bis 1963 zur Handwerklichen Berufschule, ehe es von 1965-1975 dem Bezirksseminar für Realschulen zur Verfügung gestellt wurde. Erst von 1975 an konnte es von unserer stark expandierenden Schule ganz genutzt werden.
Der Unterricht begann an der Neuen Friedrichstraße mit 17 Lehrern und 443 Schülern. Durch einen Ministerialerlass vom März 1913 wurde die Knabenmittelschule Nord an der Neuen Friedrichstraße nach einer Revision durch die Regierung in Düsseldorf in das Verzeichnis der anerkannten Mittelschulen aufgenommen.
Da während des 1. Weltkrieges von 1914-1918 mehrere Lehrer der Schule zum Kriegsdienst eingezogen wurden, kam es in dieser Zeit zum dauernden Ausfall des Sport-, Zeichen-, Musik- und Naturgeschichtsunterrichts sowie zur Zusammenlegung der Sprachklassen mit den naturwissenschaftlichen Klassen.
1917 erhielten die Mittelschulen die Anerkennung als "ausgebaute 6-klassige Anstalten und die Verleihung der Berechtigung zur Erteilung des Abschlusszeugnisses und damit die verbundene Berechtigung für die Berufswahl".
Nach Beendigung des Krieges mussten von November bis Dezember 1918 sämtliche Klassenräume den heimkehrenden Frontsoldaten als Nachtquartiere zur Verfügung gestellt werden. Dieser Umstand, wie auch der Kohlenmangel im Januar und Februar 1917, führte zu wochenlangen Unterrichtsausfällen.

Im April 1923 wurde in einer gemeinsamen Veranstaltung der Schule und der ehemaligen Schüler eine Gedenktafel für die im Krieg gefallenen früheren Schüler und einen gefallenen Lehrer eingeweiht und im nördlichen Treppenhaus der Schule angebracht. (Sie existiert heute dort nicht mehr.)
Im April 1927 traten neue Lehrpläne für Mittelschulen in Kraft, in denen den Schulen ,,bedeutsame Lehraufgaben zugewiesen wurden“. Im Herbst 1928 wurde der Rest des Jägerschen Fabrikgebäudes abgebrochen, so dass im Frühjahr 1929 ein Teil des Schulhofs mit Bäumen bepflanzt werden konnte
Die Weltwirtschaftskrise 1929, verbunden mit der zunehmende Arbeitslosigkeit zu Beginn der 30er Jahre und der schlechten Finanzlage der Stadt, wirkte sich auch auf unsere Schule nachteilig aus - die für Lehrmittel bereitgestellten Geldmittel wurden erheblich reduziert.
Im
Frühjahr 1933 bedeuteten der ,,Tag von Potsdam" und das Hissen der
Hakenkreuzfahne auf dem Schulhof unserer Schule den verhängnisvollen Beginn des
Dritten Reiches.
Zu Anfang des Schuljahres 1935 zählte die Schule 13 Klassen mit im Durchschnitt
je 41 Schülern. Die Gesamtzahl der Schüler betrug 555. Am 21. März 1936
beging die Knabenmittelschule Nord in Wuppertal-Elberfeld ihr 50jähriges
Bestehen in einem Festakt in der Stadthalle in Elberfeld.
Da
die alte Schulchronik nicht mehr aufzufinden ist, gibt es nur bruchstückartige
Berichte einiger Lehrer der Schule über die Zeit von 1936 bis 1945, die
bekanntermaßen auch den 2. Weltkrieg einschloss.
Einschneidende Ereignisse für unsere Schule
waren am 30. Mai und 24. Juni 1943 die alliierten Luftangriffe auf Wuppertal.
Unsere Schule wurde Auffangstelle für die Ausgebombten. Danach zog das
Hauptpostamt hier ein und belegte den gesamten unteren Flur der Schule und die
Turnhalle, die zum Briefträgerraum umfunktioniert wurde.
An kontinuierlichen Unterricht war nicht mehr zu denken. Einem Bericht des damaligen Rektors zufolge zogen Lehrer und Schüler "von einer Schule zur anderen", um den Unterricht provisorisch fortzusetzen. Nach der Zerstörung der Gebäude der Knaben- und Mädchenmittelschulen Süd und Ost durch den Elberfelder Luftangriff wurden die Knabenmittelschule Süd und Nord in das relativ wenig zerstörte Gebäude unserer Schule zusammengelegt. Das auf diese Art entstandene System erhielt den Namen Knabenmittelschule Elberfeld. Im September 1943 wurde der Unterricht zunächst wieder aufgenommen. Nach einer Anordnung der Regierung vom Januar 1943 wurden Schüler der mittleren und höheren Lehranstalten jedoch als Luftwaffenhelfer zum Kriegsdienst einberufen. Das betraf von 1943-1945 zahlreiche 16-17jährige Schüler an unserer Schule. Sie wurden an Flakbatterien im rheinisch-westfälischen Industriegebiet eingesetzt; viele von ihnen fielen oder wurden bei Luftangriffen schwer verwundet. Dauernde Luftwarnungen, Voralarme und Alarme in Wuppertal führten dazu, dass sich der Unterricht vom September 1943 an nur auf drei Unterrichtsstunden täglich in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik, Geschichte, Erdkunde und Physik beschränkte. Hinzu kam, dass im Rahmen der Kinderlandverschickung im Dritten Reich (KLV-Lager) von 1943 bis 1945 etwa 240 Schüler der Schule mit ihren Lehrern in von Luftangriffen geschützte Gebiete wie Holland, dem Erzgebirge, Süddeutschland und Österreich verlegt wurden.
Am 20. Mai 1944 wurde das Gebäude unserer Schule durch eine in der Nähe explodierte Mine beschädigt, so dass bis zu den großen Ferien der Unterricht in das Gebäude der Volksschule an der Malerstraße verlegt werden musste. Ab Januar 1945 konnte wegen ständiger Jagdbomberangriffe auf Wuppertal von einem geregelten Unterricht in der Schule nicht mehr die Rede sein. Nach dem Einmarsch der amerikanischen Truppen im April 1945 wurde die Schule geschlossen.
Als nach Kriegsende
die Militärregierung im Oktober 1945 die Wiederaufnahme des
Schulunterrichts genehmigt hatte, waren Turnhalle und Klassenräume des unteren
Flurs der Schule von der Post geräumt worden. Die Jahre 1945-1947 gestalteten
sich für das gesamte Schulleben äußerst schwierig. Mit Hilfe älterer
Schüler musste zuerst der Schulhof von Schuttmassen befreit werden, das
notdürftig gedeckte Dach der Schule sowie Türen und Fenster waren zu
reparieren, um das Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Das Mobiliar war
größtenteils zerstört, Lehrmittel nur in bescheidenem Maße vorhanden. Der
Unterrichtsbetrieb litt unter diesen Umständen ganz besonders. Nach den
Vorschriften der Militärregierung durfte kein Lehrbuch benutzt werden, das vor
1945 erschienen war. Neben diesen Hilfsmitteln mangelte es vor allem an Heften,
so dass die Qualität der Hausaufgaben darunter litt. Eine große Belastung
stellte bis 1948 außerdem die Belegung der Turnhalle mit obdachlosen Männern,
Frauen und Kindern dar. Die Klassenstärken stiegen nach Wiederbeginn des
Unterrichts ständig durch Evakuierte und Ostflüchtlinge, deren Söhne von 1945
bis 1947 die Klassen auffüllten. Von den zumeist unterernährten Schülern
wurde die Einführung der täglichen Schulspeise (Quäkerspeise) 1946 begrüßt.
Von Dezember 1946 bis Mitte März 1947 musste der Unterricht wegen Kohlenmangels
ausfallen.
Unsere ehemaliger Schüler Herbert Vogt schreibt uns hierzu, dass der
Unterricht im Winter 1946/47 nicht ausgefallen sei, "sondern die
Klassenräume mit der damaligen Realschule für Mädchen im
Zweischichtverfahren geteilt wurden, morgens die Mädchen, nachmittags die
Jungen und umgekehrt. Somit brauchte nur eine Schule mit Brennstoff versorgt
zu werden. - Zur allgemeinen Erheiterung wurden fleißig kleine Briefchen an
Unbekannt geschrieben und unter den Schreibpulten versteckt."
Schüler und Lehrer trafen sich jedoch täglich in der Schule, um die aufgegebenen Hausaufgaben zu besprechen. Das Jahr 1948 brachte die Währungsreform; sie hatte die allmähliche Wiederbelebung der wirtschaftlichen Situation in Wuppertal zu Folge, die auch dem gesamten Schulleben zu gute kam.
Im Schuljahr 1948/1949 begann die Schule den Unterricht mit 15 Klassen an der Neuen Friedrichstraße, dazu kamen zwei Klassen - eine für Mädchen und eine für Jungen -, die in der Volksschule an der Yorkstraße in Vohwinkel untergebracht waren. Die Gesamtzahl der Schüler lag damals bei 711. 1949/1954 wuchs die Schülerzahl auf 996 und die Klassenzahl auf 26 an.
Von 1952 bis 1954 musste deshalb Schichtunterricht eingeführt werden, der für Lehrer und Schüler eine außerordentliche Belastung darstellte. Um ein weiteres Anwachsen der Schülerzahl zu verhindern und um den Schichtunterricht zu beenden, wurde Ostern 1955 die frühere Realschule (Mittelschule) Süd an der Pfalzgrafenstraße wieder eröffnet. Damit erfolgte wiederum die Trennung der seit 1943 bestehenden Knabenmittelschule Elberfeld in Süd-Realschule Pfalzgrafenstraße und Nord-Realschule Neue Friedrichstraße. Zu erwähnen ist noch die vom damaligen stellvertretenden Schulleiter Brinkmann im Februar 1949 angeregte Gründungsversammlung der Elternschaft der Schule, aus deren Reihen ein Vorstand der Elternschaft (heute Schulpflegschaft) mit dem Gesamtkollegium zur Erörterung über äußere und innere Probleme des Schulbetriebes erstmals zusammentraf.

Die Jahre 1955 bis zum hundertjährigen Jubiläum im Jahr 1986 können als eine Zeit der Konsolidierung unserer Schule angesehen werden. Es gibt jedoch noch einige Daten aufzuzeigen, die, das gesamte Realschulenwesen betreffend, auch an der RNF den Wandel der Zeiten vor allem im Unterricht darstellen.
Seit den 20er Jahren gab es an den Mittelschulen Schreibmaschinen- und Stenographieunterricht. Er wurde erst Ende der 50er Jahre wieder abgeschafft, da er als zu berufsbezogen galt. Dieser Unterricht hat an unserer Schule in den Werkräumen im Souterrain stattgefunden. Vom Schuljahr 1967/1968 an wurden die bis dahin traditionellen Klassenbezeichnungen 1-6 abgeändert in Klassen 5-10. Ab 1968 wurde Sozial- und Wirtschaftskunde als neues Unterrichtsfach eingeführt, zunächst jedoch nur als Arbeitsgemeinschaft. Zu Beginn der 70er Jahre wurden dieses Fach und das Fach Politik eigenständige Unterrichtsfächer. Mit der Einführung der Koedukation an allen Schulen Wuppertals und des Landes NRW wurden zu Beginn des Schuljahres 1971 neben 73 Jungen auch 17 Mädchen aufgenommen. Damit verlor das jetzt noch sichtbar in Sandstein gemeißelte Relief ,,Realschule für Jungen" an der Einfahrt zum Schulhof seine Gültigkeit. 1974 wurde die Differenzierung in den Klassen 9, 1975 auch in den Klassen 10, erstmals durchgeführt. Die Realschuloberklassen wurden in Neigungskurse aufgeteilt, und zwar in einen fremdsprachlichen (fs), einen mathematisch-naturwissenschaftlichen (mn) und einen musisch-künstlerischen (mk) Kurs. 1977 wurde auch der Kurs Sozial- und Wirtschaftskunde (sw) eingeführt. Kursspezifische Wanderfahrten, z.B. nach England (Schüleraustausch), nach München (Naturwissenschaftliches Museum), nach Mainfranken (Barock) und nach Berlin (Grenze zur DDR), waren die Folge dieser Neueinführungen.
